Der Apple-Aufsatz „The Illusion of Thinking“ (Link in den Kommentaren) enttarnt die omnipräsente Wunschfantasie, dass KI wirklich denkt. Mit einer schonungslosen Methodik analysieren Shojaee et al. die Breakdowns heutiger Large Reasoning Models (LRMs): Sie versagen dramatisch, sobald Aufgaben komplexer werden, brechen ihre „Denkstränge“ ab und stoßen an ungewöhnliche Skalierungslimits
Apples Analyse nutzt durchdachte Kontrollpuzzles. Ergebnis: LRMs performen zwar bei einfachen Aufgaben besser als klassische LLMs, bei mittel-komplexen Aufgaben zeigen sie Vorteile, doch in allen Bereichen absehbarer Komplexität kollabieren sie komplett. Ihr vermeintliches „Denken“ ist nichts als subtile Mustererkennung - weit entfernt von menschlicher Reflexion oder planvoller Generalisierung.
Das ist ein recht radikaler, aber absolut berechtigter Weckruf: Was wir als KI‑Denken feiern, ist Simulation. Große Sprachmodelle kombinieren tokenbasierte Vorhersagen, nicht algorithmisches Problemlösen. Sie operieren mit regressiven Heuristiken, keine bewussten Konzepte. Selbst wenn sie lange Chain‑of‑Thought ausgeben, reproduzieren sie nur plausibles Zwischendenken ohne echtes Verständnis .
Die Konsequenz: Wir müssen endlich aufhören, diese Systeme als intelligent oder menschlich zu vermenschlichen. Sie sind aktuell leistungsfähige Textgeneratoren, keine denkenden Agenten. Verzerrte Marktstrategien und Hypes, die KI als omnipotente Lösung verherrlichen, sind gefährlich. Fortschritt ist real - aber er ist bisher engineeringgetrieben, nicht kognitiv inspiriert.
Der Apple-Paper zeigt: Wer komplexe, generalisierende Intelligenz erwartet, bleibt unweigerlich auf der Strecke. Intelligenz erfordert Modularität, Symbolsysteme, echte Abstraktion, nicht mehr Tokens oder größere Modelle.
Yann LeCun warnt: Auto-regressive LLMs sind ein Dead End für echte KI.
Und Cassie Kozyrkov mahnt: Imitation ist kein Indikator für Kompetenz.
𝐌𝐞𝐢𝐧𝐞 𝐩𝐬𝐲𝐜𝐡𝐨𝐥𝐨𝐠𝐢𝐬𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐄𝐫𝐤𝐞𝐧𝐧𝐭𝐧𝐢𝐬𝐬𝐞:
1. Der KI‑Hype schadet uns: Wir glauben an KI-Denken, obwohl wir nur Muster sehen - und ignorieren fundamentale psychologsiche Defizite.
2. Apple liefert harte empirische Gegenbeweise gegen die Illusion eines generischen Denkapparats - was für die individuelle Nutzung ein Umdenken begründen kann.
3. Die Zukunft liegt nicht nur in hybriden Architekturen (modular, symbolbasiert, auf echtes Problemlösen ausgerichtet), sondern auch im Interaktionsprozess Mensch-Maschine, in der Co-Kreation und Kuratierung von Wissen.
„The Illusion of Thinking“ enthüllt den Kern unserer Selbsttäuschung: Wir haben KI idealisiert, während sie nur simuliert. Daher müssen wir aufhören, Algorithmus mit Bewusstsein zu verwechseln.
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